<script data-pm-proxy="intercept"></script><?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[Laura Fröhlich]]></title><description><![CDATA[Warum sprechen plötzlich alle über dasselbe? Essays über Nachrichten, Trends und Alltagsphänomene – und darüber, was sie über unsere Gesellschaft verraten. Journalistin & Promovendin.]]></description><link>https://laurafroehlich.substack.com</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!nhY6!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fb19e1fff-4dc6-4e6e-b766-efd1261e7562_1080x1080.png</url><title>Laura Fröhlich</title><link>https://laurafroehlich.substack.com</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Thu, 03 Sep 2026 03:38:11 GMT</lastBuildDate><atom:link href="/__u/laurafroehlich.substack.com/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Laura Fröhlich]]></copyright><language><![CDATA[en]]></language><webMaster><![CDATA[laurafroehlich@substack.com]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[laurafroehlich@substack.com]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Laura Fröhlich]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Laura Fröhlich]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[laurafroehlich@substack.com]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[laurafroehlich@substack.com]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Laura Fröhlich]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Antworten vs. Abschalten]]></title><description><![CDATA[Wann wurde Erreichbarkeit eigentlich zur Pflicht?]]></description><link>https://laurafroehlich.substack.com/p/antworten-vs-abschalten</link><guid isPermaLink="false">https://laurafroehlich.substack.com/p/antworten-vs-abschalten</guid><dc:creator><![CDATA[Laura Fröhlich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 29 Aug 2026 18:13:52 GMT</pubDate><enclosure url="https://images.unsplash.com/photo-1520923642038-b4259acecbd7?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wzMDAzMzh8MHwxfHNlYXJjaHw1fHx0ZWxlZm9ufGVufDB8fHx8MTc4ODAyNTcxMHww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1080" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<h3>Deep Dive</h3><p>In meinem letzten Essay <a href="/__u/laurafroehlich.substack.com/p/millennial-comeback?r=8sn7pg&amp;utm_campaign=post&amp;utm_medium=web">Millennial Comeback</a> habe ich unter anderem dar&#252;ber nachgedacht, was wir vom fr&#252;heren zum heutigen Internet verloren haben, auf das wir vielleicht sogar mit einem nostalgischen Gef&#252;hl zur&#252;ckblicken. <span class="mention-wrap" data-attrs="{&quot;name&quot;:&quot;Wilfried Silbernagel&quot;,&quot;id&quot;:66765648,&quot;type&quot;:&quot;user&quot;,&quot;url&quot;:null,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/a66b6df9-5130-467f-a431-a9bc0785d1b8_634x636.png&quot;,&quot;uuid&quot;:&quot;962576db-8abb-4474-bff9-006145711923&quot;}" data-component-name="MentionToDOM"></span> habe ich die Anregung zu verdanken, weiterf&#252;hrend dar&#252;ber nachzudenken, <strong>was sich eigentlich ver&#228;ndert hat, seit aus einer Welt selbstverst&#228;ndlicher Nichterreichbarkeit eine Welt permanenter Erreichbarkeit geworden ist.</strong></p><p>Ich kenne diesen Moment selbst n&#228;mlich ziemlich gut: Eine Nachricht kommt auf meinem Handy an, ich sehe sie und antworte trotzdem nicht sofort. Vielleicht bin ich gerade unterwegs, mitten in einem Gespr&#228;ch oder m&#246;chte einfach sp&#228;ter in Ruhe antworten. Und trotzdem entsteht f&#252;r einen kurzen Moment dieses merkw&#252;rdige Gef&#252;hl, dass ich die Nachricht jetzt nicht mehr einfach liegen lassen kann. Sie ist gelesen. Die andere Person kann das in den meisten F&#228;llen sogar sehen - denken wir nur an die zwei blauen Haken hinter einer gelesenen WhatsApp-Nachricht. Aus einer Nachricht, auf die ich irgendwann antworten k&#246;nnte, wird dann pl&#246;tzlich etwas, auf das ich eigentlich schon l&#228;ngst h&#228;tte reagieren sollen.</p><p>Inzwischen tue ich einiges daf&#252;r, um f&#252;r eine Weile nicht erreichbar zu sein. Ich stelle bei meinem Handy die &#8220;Nicht st&#246;ren&#8221;-Funktion ein, schalte Push-Benachrichtigungen aus oder lasse Nachrichten bewusst unge&#246;ffnet, wenn ich wei&#223;, dass ich gerade nicht antworten m&#246;chte oder kann. Aber warum braucht es eigentlich so viele kleine Entscheidungen, Einstellungen und Strategien, nur damit ich f&#252;r einen Moment nicht verf&#252;gbar bin?</p><h3>Ortsgebundene Erreichbarkeit</h3><p>Es ist noch gar nicht so lange her, dass Nichterreichbarkeit zum Alltag geh&#246;rte. Wer jemanden &#252;ber das Festnetz anrief und niemanden erreichte, wusste wenig dar&#252;ber, warum die Person gerade nicht ans Telefon ging. Vielleicht war sie einkaufen, unterwegs, im Garten oder bereits in einem anderen Gespr&#228;ch. Vielleicht hatte sie einfach keine Lust zu telefonieren. </p><p>Genau genommen war damals ohnehin weniger die Person erreichbar als ein bestimmter Ort. Man rief zu Hause an oder im B&#252;ro. Wer diesen Ort verlie&#223;, verlie&#223; meist auch den Kommunikationskanal. Erreichbarkeit war an R&#228;ume, Zeiten und konkrete technische Infrastruktur gebunden.</p><p>Mit dem Mobiltelefon begann sich diese Ordnung aufzul&#246;sen. Zum ersten Mal wanderte der Anschluss gewisserma&#223;en vom Ort zur Person. Man musste nicht mehr wissen, wo jemand war, um ihn erreichen zu k&#246;nnen. Sp&#228;ter kamen SMS, E-Mail und Smartphones hinzu. Kommunikation l&#246;ste sich Schritt f&#252;r Schritt von festen Orten und festen Zeiten.</p><p>Das war ein enormer Gewinn an Freiheit. Denn von da an konnte man unterwegs schreiben, von zu Hause arbeiten, Freundschaften &#252;ber gro&#223;e Entfernungen pflegen und Menschen unabh&#228;ngig davon kontaktieren, wo sie sich gerade befanden. Die technische M&#246;glichkeit der Verbindung wurde immer selbstverst&#228;ndlicher. Gerade dadurch entstand allerdings eine neue Frage: Was passiert, wenn Menschen nicht nur &#252;berall erreichbar sein k&#246;nnen, sondern dieses K&#246;nnen dauerhaft vorausgesetzt wird?</p><h3>Online-Sein als Grundzustand</h3><p>Kommunikationswissenschaftler beschreiben diese neue Situation der permanenten Erreichbarkeit mit dem Begriff <strong>&#8220;Permanently Online, Permanently Connected&#8221;</strong>. Gemeint ist damit eine Welt, in der Online-Sein immer weniger eine klar abgegrenzte Aktivit&#228;t darstellt. W&#228;hrend man sich fr&#252;her an einen Computer setzte, aktiv eine Verbindung herstellte, ein Programm &#246;ffnete und irgendwann wieder offline ging - und der Zugang zum Internet somit einen Anfang und ein Ende hatte. Mit dem Smartphone ist diese Schwelle weitgehend verschwunden. Die Verbindung besteht grunds&#228;tzlich weiter. Das Internet ist kein eigener Ort mehr, den wir f&#252;r eine bestimmte Zeit betreten. Es begleitet uns durch den Tag.</p><p>Daraus entsteht eine Form dauerhafter Aufmerksamkeit, f&#252;r die die Forschung den Begriff <strong>&#8220;Online Vigilance&#8221;</strong> verwendet. Gemeint ist eine <strong>mentale Orientierung auf die digitale Welt</strong>, die auch dann bestehen kann, wenn wir gerade gar kein Ger&#228;t benutzen. Wir denken an eine Nachricht, die noch kommen k&#246;nnte. Wir nehmen unser Smartphone in die Hand, ohne einen konkreten Grund daf&#252;r zu haben. Beim Essen liegt es neben uns auf dem Tisch. W&#228;hrend eines Gespr&#228;chs leuchtet der Bildschirm auf und ein Teil unserer Aufmerksamkeit wandert f&#252;r einen Moment dorthin.</p><p>Die entscheidende Ver&#228;nderung besteht deshalb nicht darin, dass wir ununterbrochen aktiv kommunizieren. Es reicht, dass Kommunikation jederzeit m&#246;glich bleibt. Schon diese M&#246;glichkeit ver&#228;ndert unsere Aufmerksamkeit.</p><p>Doch sie erkl&#228;rt noch nicht, warum aus Erreichbarkeit ein sozialer Druck entstehen kann. Schlie&#223;lich zwingt uns ein Smartphone zun&#228;chst zu keiner Antwort. Eine WhatsApp-Nachricht kann liegen bleiben und eine E-Mail kann bis morgen warten. Zwischen der technischen M&#246;glichkeit und unserem tats&#228;chlichen Verhalten liegt noch etwas anderes: <strong>die Erwartung</strong>.</p><h3>Erwartung durch sichtbare Verf&#252;gbarkeit</h3><p>Man erkennt diese Entwicklung besonders gut an Funktionen, die inzwischen so selbstverst&#228;ndlich geworden sind, dass wir sie kaum noch hinterfragen: &#8220;Online&#8221;, &#8220;Zuletzt aktiv&#8221;, &#8220;Gelesen&#8221;, ein Haken, zwei Haken, zwei blaue Haken.</p><p>Technisch liefern diese Anzeigen Informationen &#252;ber einen Kommunikationsvorgang. Sozial bekommen sie schnell eine zus&#228;tzliche Bedeutung. Solange ich nicht wei&#223;, ob du meine Nachricht gesehen hast, gibt es viele m&#246;gliche Erkl&#228;rungen f&#252;r dein Schweigen. Sobald ich sehe, dass du sie gelesen hast, ver&#228;ndert sich die Situation. Dann entsteht die Vorstellung: Du k&#246;nntest jetzt antworten.</p><p>Dieses &#8220;k&#246;nntest&#8221; ist entscheidend. Aus einer blo&#223;en technischen M&#246;glichkeit kann eine soziale Erwartung entstehen. Wenn jemand sichtbar online war, eine Nachricht gelesen hat und danach weiter aktiv geblieben ist, erscheint Schweigen pl&#246;tzlich weniger zuf&#228;llig. Die andere Person beginnt vielleicht zu &#252;berlegen, was dieses Schweigen bedeutet.</p><p>Dabei wissen wir nat&#252;rlich kaum mehr dar&#252;ber, was gerade tats&#228;chlich passiert. Eine gelesene Nachricht sagt nichts dar&#252;ber aus, ob jemand Zeit, Ruhe oder emotionale Kapazit&#228;t f&#252;r eine Antwort hat. Trotzdem macht die technische Infrastruktur einen Teil unserer Anwesenheit sichtbar. Und sichtbare Anwesenheit kann leicht mit tats&#228;chlicher Verf&#252;gbarkeit verwechselt werden.</p><h3>Schweigen wird erkl&#228;rungsbed&#252;rftig</h3><p>Deshalb ver&#228;ndert sich auch die Bedeutung des Nicht-Antwortens. Fr&#252;her konnte Nichterreichbarkeit weitgehend neutral bleiben. Niemand wusste genau, warum jemand gerade nicht reagierte. Heute hinterlassen wir digitale Spuren unserer Anwesenheit. Eine Nachricht wurde zugestellt. Sie wurde gelesen. Vielleicht war die Person danach noch einmal online: Dadurch l&#228;sst sich Schweigen leichter interpretieren. Es kann als Desinteresse, Ablehnung, &#196;rger oder bewusste Distanz verstanden werden, obwohl dahinter in Wahrheit vielleicht nur ein voller Tag steckt, der es gerade nicht zul&#228;sst, in Ruhe zu antworten.</p><p>Auf diese Entwicklung haben wir l&#228;ngst mit Gegenma&#223;nahmen reagiert - ich zumindest. Mit deaktivierten Lesebest&#228;tigungen etwa oder einem versteckten Online-Status. Manchmal lese ich Nachrichten &#252;ber die Vorschau oder lasse sie bewusst unge&#246;ffnet. Ab und an aktiviere ich den Fokusmodi und schalte WhatsApp-Gruppen stumm.</p><p>Jede einzelne dieser Handlungen wirkt banal. Zusammengenommen zeigen sie jedoch eine interessante Verschiebung: Wir entwickeln immer mehr Werkzeuge, um unsere eigene Verf&#252;gbarkeit zu kontrollieren. Am deutlichsten l&#228;sst sich diese Entwicklung dort beobachten, wo Erreichbarkeit besonders klare Folgen hat: in der Arbeitswelt.</p><h3>Neue Normen der Erreichbarkeit</h3><p>In der Arbeitsforschung gibt es daf&#252;r den Begriff <strong>&#8220;Workplace Telepressure&#8221;</strong>. Er beschreibt den empfundenen Drang, arbeitsbezogene Nachrichten m&#246;glichst schnell zu beantworten. Dabei braucht es keine ausdr&#252;ckliche Anweisung. Ein Vorgesetzter muss nicht schreiben: &#8220;Du musst heute Abend noch reagieren.&#8221; Erwartungen k&#246;nnen viel subtiler entstehen. Wenn der Chef regelm&#228;&#223;ig sp&#228;t E-Mails verschickt, Kollegen am Wochenende schnell antworten oder wichtige Absprachen in einem Gruppenchat stattfinden, entsteht ein Gef&#252;hl daf&#252;r, welches Verhalten als normal gilt.</p><p>Wer schnell reagiert, wirkt engagiert. Wer immer erreichbar ist, erscheint zuverl&#228;ssig. Wer erst am n&#228;chsten Morgen antwortet, hat m&#246;glicherweise gegen keine einzige Regel versto&#223;en und kann trotzdem das Gef&#252;hl bekommen, sp&#228;t dran zu sein.</p><p>Genau hier zeigt sich, wie <strong>gesellschaftliche Normen</strong> funktionieren. Viele von ihnen werden nie offiziell beschlossen. Sie stabilisieren sich dadurch, dass Menschen beobachten, wie andere sich verhalten, und ihre eigenen Erwartungen daran ausrichten.</p><p>Feierabend bedeutete lange mehr als die blo&#223;e Tatsache, gerade nicht zu arbeiten. Er markierte eine zeitliche und r&#228;umliche Grenze. Die Akte lag im B&#252;ro, der Computer stand am Arbeitsplatz, das Gesch&#228;ft war geschlossen. Wer das Geb&#228;ude verlie&#223;, lie&#223; zumindest einen Teil der Arbeit tats&#228;chlich zur&#252;ck. Heute k&#246;nnen wir k&#246;rperlich zu Hause und gleichzeitig organisatorisch anwesend sein. Eine Nachricht auf Teams braucht keinen Arbeitsweg. Eine E-Mail erreicht uns ebenso auf dem Sofa wie am Schreibtisch. Der Slack-Kanal befindet sich in derselben Hosentasche wie der Familienchat.</p><p>Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwindet dadurch nicht automatisch. Sie verliert jedoch einen Teil ihrer &#228;u&#223;eren Struktur. Fr&#252;her wurde sie durch Orte und Arbeitsmittel gest&#252;tzt. Heute h&#228;ngt sie viel st&#228;rker davon ab, ob wir sie selbst ziehen. Wir stehen also selbst in der Verantwortung.</p><h3>Das Recht auf Nichterreichbarkeit</h3><p>Vielleicht zeigt nichts diese Ver&#228;nderung deutlicher als ein Begriff, der vor einigen Jahrzehnten wahrscheinlich noch seltsam geklungen h&#228;tte: das <strong>&#8220;Recht auf Nichterreichbarkeit&#8221;</strong>.</p><p>In mehreren europ&#228;ischen L&#228;ndern gibt es inzwischen Regelungen oder Vereinbarungen, die Besch&#228;ftigte davor sch&#252;tzen sollen, au&#223;erhalb ihrer Arbeitszeit dauerhaft verf&#252;gbar sein zu m&#252;ssen. Auch das Europ&#228;ische Parlament hat ein europ&#228;isches Recht auf Nichterreichbarkeit gefordert.</p><p>Allein die Existenz dieser Debatte ist aufschlussreich. Gesellschaften formulieren Rechte h&#228;ufig dort, wo ein Zustand nicht mehr selbstverst&#228;ndlich gesch&#252;tzt ist. Wenn eigens dar&#252;ber gesprochen werden muss, ob Menschen nach Feierabend erreichbar sein sollen, dann hat sich die Ausgangslage bereits ver&#228;ndert.</p><p>Fr&#252;her entstand Nichterreichbarkeit h&#228;ufig automatisch. Heute muss sie teilweise rechtlich, organisatorisch oder individuell hergestellt werden. Dieser Wandel l&#228;sst sich kaum allein mit der Arbeitswelt erkl&#228;ren. Denn dieselbe Logik begegnet uns l&#228;ngst auch in Freundschaften, Partnerschaften und Familien.</p><h3>Auch N&#228;he bekommt eine Reaktionszeit</h3><p>Wer fr&#252;her einen Brief schrieb, wusste, dass zwischen Schreiben und Antwort mehrere Tage liegen konnten. Bei einer SMS erschien eine Antwort am selben Tag bereits schnell. Messenger haben dieses Zeitgef&#252;hl erneut ver&#228;ndert. Eine Stunde kann pl&#246;tzlich lang wirken, wenn gleichzeitig sichtbar ist, dass jemand online war.</p><p>Mit jeder <strong>Beschleunigung der technischen Kommunikation</strong> ver&#228;ndert sich auch unser Gef&#252;hl daf&#252;r, was eine <strong>angemessene Reaktionszeit</strong> ist.</p><p>Das Interessante daran ist, dass Messenger technisch eigentlich gro&#223;e zeitliche Freiheit erm&#246;glichen. Sender und Empf&#228;nger m&#252;ssen nicht gleichzeitig verf&#252;gbar sein. Ich kann dir schreiben, w&#228;hrend du besch&#228;ftigt bist, und du kannst antworten, wenn es f&#252;r dich passt. Doch genau diese Systeme haben wir mit Funktionen ausgestattet, die wieder <strong>N&#228;he zur Gleichzeitigkeit</strong> herstellen. Push-Nachrichten melden neue Botschaften sofort. Tippindikatoren zeigen, dass gerade eine Antwort entsteht. Online-Status macht Anwesenheit sichtbar. Lesebest&#228;tigungen zeigen, dass eine Nachricht angekommen und ge&#246;ffnet wurde.</p><p>So entsteht ein merkw&#252;rdiges Paradox: Wir haben Kommunikationsformen entwickelt, die uns von der Notwendigkeit gleichzeitiger Anwesenheit befreien. Gleichzeitig haben wir eine Umgebung geschaffen, in der schnelle Reaktion immer st&#228;rker beobachtet und erwartet werden kann. Damit ver&#228;ndert sich auch, wer Verantwortung f&#252;r die Grenze tr&#228;gt.</p><h3>Verantwortung wandert zum Empf&#228;nger</h3><p>Beim Festnetz musste sich der Anrufer st&#228;rker fragen, ob jetzt ein geeigneter Zeitpunkt war: Vielleicht st&#246;rte man beim Abendessen, vielleicht schlief die Person bereits, vielleicht war niemand zu Hause. Messenger l&#246;sen dieses Problem scheinbar elegant. Der Sender kann jederzeit schreiben. Der Empf&#228;nger entscheidet selbst, wann er antwortet.</p><p>Dadurch verschiebt sich die Verantwortung. Der Sender muss den passenden Moment immer weniger einsch&#228;tzen. Der Empf&#228;nger muss seine Grenzen zunehmend selbst organisieren. Er deaktiviert Benachrichtigungen, schaltet Apps stumm, aktiviert Fokuszeiten, erkl&#228;rt Freunden, warum er gerade nicht antwortet, oder versucht schlicht, eine Nachricht ohne schlechtes Gewissen f&#252;r ein paar Stunden liegen zu lassen.</p><p>Es wundert mich also nicht, dass Begriffe wie &#8220;Digital Detox&#8221; oder &#8220;Notification Management&#8221; inzwischen immer h&#228;ufiger zu h&#246;ren sind. Wir behandeln <strong>Nichterreichbarkeit zunehmend als individuelle Kompetenz</strong>. Man soll lernen, Grenzen zu setzen, das Smartphone wegzulegen und bewusster mit Kommunikation umzugehen.</p><h3>Von der M&#246;glichkeit zur Erwartung</h3><p>An diesem Punkt wird sichtbar, dass permanente Erreichbarkeit weniger eine Geschichte &#252;ber Smartphones oder Technik im Allgemeinen ist - als eine Geschichte &#252;ber gesellschaftliche Normen.</p><p>Die Technik hat zun&#228;chst eine M&#246;glichkeit geschaffen: Wir k&#246;nnen fast jederzeit miteinander kommunizieren. Dann hat sie unsere Verf&#252;gbarkeit zunehmend sichtbar gemacht. Aus dieser Sichtbarkeit entstanden Erwartungen an Reaktionszeiten. Und diese Erwartungen beeinflussen inzwischen, wie wir Freundschaft, Arbeit, Aufmerksamkeit und pers&#246;nliche Grenzen organisieren.</p><p>Die Entwicklung folgt damit einer einfachen Bewegung: <strong>Aus einer technischen M&#246;glichkeit wird eine soziale Erwartung.</strong> Diese Erwartung kann sich schlie&#223;lich so sehr verfestigen, dass Nichterreichbarkeit begr&#252;ndet, organisiert oder sogar gesch&#252;tzt werden muss. Vielleicht ist genau deshalb eine der knappsten Ressourcen unserer heutigen Zeit die gesellschaftlich akzeptierte M&#246;glichkeit, f&#252;r einen Moment einfach nicht verf&#252;gbar zu sein.</p><p>Wir sollten uns aber bewusster machen, dass wir selbst mitentscheiden k&#246;nnen, wie verf&#252;gbar wir sein wollen. Nicht jede Nachricht braucht sofort eine Antwort. Nicht jeder Status muss sichtbar sein. Nicht jede freie Minute muss offen f&#252;r neue Kommunikation bleiben. Ein St&#252;ckchen Nichterreichbarkeit k&#246;nnen wir uns ruhig zur&#252;ckholen.</p><p><strong>Wie ist es bei dir: Sp&#252;rst du Druck, immer erreichbar zu sein &#8211; oder kennst du diesen Stress gar nicht?</strong></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://images.unsplash.com/photo-1520923642038-b4259acecbd7?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wzMDAzMzh8MHwxfHNlYXJjaHw1fHx0ZWxlZm9ufGVufDB8fHx8MTc4ODAyNTcxMHww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1080" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://images.unsplash.com/photo-1520923642038-b4259acecbd7?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wzMDAzMzh8MHwxfHNlYXJjaHw1fHx0ZWxlZm9ufGVufDB8fHx8MTc4ODAyNTcxMHww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1080 424w, 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url="https://images.unsplash.com/photo-1640519066824-9f76e650fc15?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wzMDAzMzh8MHwxfHNlYXJjaHwxfHx0YW1hZ290Y2hpfGVufDB8fHx8MTc4NjQ1MTEyNXww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1080" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<h3>Was ist passiert?</h3><p>Vielleicht ist es dir in den vergangenen Monaten auch aufgefallen: Millennials sind pl&#246;tzlich wieder &#252;berall. Vor allem in Instagram-Reels erinnern sich viele daran, wie wir (ja wir, denn ich bin auch ein Millennial) fr&#252;her ausgegangen sind, was wir getragen haben, welche Musik wir geh&#246;rt haben &#8211; und welche Dinge angeblich nur derjenige versteht, der in den Achtzigern oder Neunzigern geboren wurde. Alte Snapchat-Filter werden hervorgeholt und verschwommene Partyfotos aus den fr&#252;hen 2010ern werden geteilt. Die entsprechende Musik unterstreicht das nostalgische Gef&#252;hl. </p><h3>&#8220;Millennial Optimism&#8221;</h3><p>Besonders auff&#228;llig ist, dass diese Wiederentdeckung inzwischen einen eigenen Begriff bekommen hat: &#8220;Millennial Optimism&#8221;. Er bezeichnet weniger einen bestimmten Stil als das Lebensgef&#252;hl, das heute mit den fr&#252;hen 2010ern verbunden wird. In dieser Erinnerung erscheinen sie als eine Zeit von pers&#246;nlichen Blogs, Photo-Booth-Bildern und Menschen, die erstaunlich unbefangen zeigten, was ihnen gefiel. Dinge, die wir gerade erst gelernt hatten, peinlich zu finden, werden pl&#246;tzlich mit neuen Eigenschaften verbunden: unbeschwert, authentisch, verspielt und optimistisch.</p><p>Auf den ersten Blick sieht das nach einem gew&#246;hnlichen Nostalgie-Trend aus. Menschen werden &#228;lter, Mode kommt zur&#252;ck und irgendwann erscheinen selbst Dinge wieder interessant, &#252;ber die man sich wenige Jahre zuvor lustig gemacht hat. Doch an diesem Comeback ist etwas ungew&#246;hnlich: Die Vergangenheit, um die es geht, liegt noch gar nicht besonders lange zur&#252;ck. 2016 ist gerade einmal zehn Jahre her. Trotzdem wird dieses Jahr in sozialen Medien bereits wie eine abgeschlossene kulturelle Epoche behandelt. Damit stellt sich weniger die Frage, warum Millennials pl&#246;tzlich wieder cool sind, sondern warum eine Vergangenheit, die wir gerade erst verlassen haben, schon so weit entfernt wirkt.</p><h3>&#8220;Millennial Cringe&#8221; </h3><p>Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf das, was unmittelbar vor dem Comeback passiert ist. Denn bevor Millennials wieder interessant wurden, mussten sie zun&#228;chst ihre Cringeness &#252;berwinden. &#220;ber Jahre entstand im Internet ein ziemlich klares Bild dessen, was als &#8220;Millennial Cringe&#8221; galt: Skinny Jeans, Seitenscheitel, GIF-Reactions, Harry-Potter-Referenzen, Motivationsspr&#252;che und eine ganze Reihe anderer Codes, die pl&#246;tzlich verrieten, zu welcher Generation jemand geh&#246;rte. Das Entscheidende daran war jedoch nicht, dass bestimmte Kleidungsst&#252;cke oder Kommunikationsformen aus der Mode gekommen waren. Zum ersten Mal wurde sichtbar, dass das Internet der Millennials selbst eine historische Form angenommen hatte.</p><p>Solange eine Kultur Gegenwart ist, nehmen wir ihre Regeln kaum wahr. Menschen benutzten Tumblr zum Bloggen, machten Fotos mit Instagram-Filtern, posteten Facebook-Alben und verschickten Snapchat-Bilder, ohne darin eine zusammenh&#228;ngende &#8220;Millennial-&#196;sthetik&#8221; zu erkennen. Diese Dinge geh&#246;rten einfach zum Alltag. Erst als eine j&#252;ngere Generation begann, andere &#228;sthetische und kommunikative Regeln zu entwickeln, wurden die alten sichtbar. Was vorher selbstverst&#228;ndlich gewesen war, bekam pl&#246;tzlich einen Namen. Aus allt&#228;glichen Gewohnheiten wurde &#8220;Millennial Cringe&#8221;.</p><h3>Neue Bedeutung f&#252;r Altbekanntes</h3><p>Genau diese Distanz schafft nun die Voraussetzung f&#252;r das Comeback. Denn sobald eine kulturelle Form nicht mehr Gegenwart ist, kann sie neu betrachtet werden. Was zun&#228;chst nur alt erschien, beginnt historisch auszusehen. Und was historisch geworden ist, kann mit einer neuen Bedeutung versehen werden. Deshalb kehren gerade nicht einfach dieselben Kleidungsst&#252;cke, Bilder und Musikstile zur&#252;ck. Ihre Bedeutung ver&#228;ndert sich mit ihrer R&#252;ckkehr.</p><p>Ein verschwommenes Partyfoto von 2013 war damals schlicht ein schlechtes Foto. Heute kann dasselbe Bild f&#252;r Spontaneit&#228;t stehen. Ein &#252;bertriebener Instagram-Filter, der zwischenzeitlich hoffnungslos veraltet wirkte, erinnert pl&#246;tzlich an eine Zeit, in der Fotos noch nicht aussehen mussten, als w&#228;ren sie Teil einer durchkomponierten visuellen Identit&#228;t. Selbst die viel verspottete Begeisterungsf&#228;higkeit der Millennials erscheint r&#252;ckblickend anders. Was vor wenigen Jahren als peinliche Ernsthaftigkeit galt, l&#228;sst sich heute als Unbefangenheit lesen.</p><p>Der Begriff &#8220;Millennial Optimism&#8221; bringt diese Umdeutung besonders deutlich zum Ausdruck. Er macht aus einer Ansammlung alter <strong>&#228;sthetischer Codes</strong> eine Erz&#228;hlung &#252;ber das <strong>Lebensgef&#252;hl</strong> einer ganzen Generation. Damit ver&#228;ndert sich die Bedeutung der fr&#252;hen 2010er. Sie stehen nicht mehr nur f&#252;r eine vergangene Mode, sondern zunehmend f&#252;r eine fr&#252;here Form des digitalen Lebens.</p><h3>Digitale Dokumentation</h3><p>Dass diese Vergangenheit &#252;berhaupt so geschlossen erscheinen kann, h&#228;ngt eng mit der Generation zusammen, die sie hervorgebracht hat. Millennials sind die erste Generation, deren Jugend und fr&#252;hes Erwachsenenleben in au&#223;ergew&#246;hnlichem Umfang digital dokumentiert wurden. Facebook-Fotos, Tumblr-Blogs, Tweets, Instagram-Posts, YouTube-Videos, Playlists und Millionen Smartphone-Fotos sind nicht verschwunden. Sie liegen weiterhin auf unseren Ger&#228;ten und im Internet und k&#246;nnen durchsucht, kopiert, geteilt und jederzeit wieder in Umlauf gebracht werden.</p><p>Dadurch ver&#228;ndert sich auch unser Verh&#228;ltnis zur Vergangenheit. Sie existiert nicht mehr nur in privaten Erinnerungen oder einzelnen Fotoalben. Sie bleibt Teil derselben digitalen Infrastruktur, in der auch unsere Gegenwart stattfindet. Ein alter Song wird zum Sound eines neuen Reels, ein Foto von 2014 wird erneut geteilt, eine fr&#252;here &#196;sthetik bekommt einen Namen und pl&#246;tzlich stehen tausende individuelle Erinnerungen nebeneinander. <strong>Aus pers&#246;nlichen Archiven entsteht eine kollektive Vergangenheit.</strong></p><p>Das Internet hat damit eine neue Funktion bekommen. Es ist nicht mehr nur der Ort, an dem Gegenwart stattfindet. Es ist inzwischen auch ein Archiv fr&#252;herer Gegenwarten. Und weil diese Archive jederzeit wieder aktiviert werden k&#246;nnen, entstehen kulturelle Vergangenheiten heute m&#246;glicherweise schneller als fr&#252;her. Wir m&#252;ssen nicht Jahrzehnte warten, bis eine Epoche durch B&#252;cher, Filme oder Jubil&#228;en rekonstruiert wird. Die Bilder sind vorhanden - jederzeit. Die Menschen und Plattformen k&#246;nnen sie sichtbar machen - jederzeit.</p><p>Genau deshalb kann 2016 nach nur zehn Jahren bereits wie eine andere Zeit wirken. Eben weil sich innerhalb dieser zehn Jahre die Bedingungen des digitalen Lebens stark ver&#228;ndert haben. Die <strong>kulturelle Distanz zwischen zwei Zeitpunkten</strong> wird nicht mehr nur durch Kalenderjahre bestimmt. Sie entsteht auch dadurch, wie schnell sich Plattformen, Kommunikationsformen, &#196;sthetiken und Regeln der Sichtbarkeit ver&#228;ndern.</p><h3>Sehnsucht nach dem &#8220;alten Social Media&#8221;</h3><p>Genau diese Ver&#228;nderung erkl&#228;rt, warum die fr&#252;hen sozialen Medien heute wieder so  attraktiv erscheinen. Dabei war das Internet der fr&#252;hen 2010er keineswegs unschuldig. Menschen inszenierten sich auch damals, Plattformen sammelten Daten, Algorithmen beeinflussten Sichtbarkeit und die ersten gro&#223;en Influencer hatten l&#228;ngst verstanden, dass sich <strong>Aufmerksamkeit in &#246;konomischen Wert</strong> verwandeln l&#228;sst. Entscheidend ist deshalb nicht, dass das Internet damals frei von Selbstdarstellung gewesen w&#228;re. Entscheidend ist, dass die Logik der professionellen Selbstdarstellung noch nicht so tief in den Alltag eingedrungen war wie heute.</p><p>Nicht jede Person verstand sich als Creator. Nicht jeder Post wurde als Content betrachtet. Nicht jedes Profil musste wie eine pers&#246;nliche Marke funktionieren. Man teilte Bilder, Gedanken und Links in einer digitalen &#214;ffentlichkeit, deren Regeln sich gerade erst entwickelten. Gerade weil wir diese Regeln heute so gut kennen, erscheint uns diese fr&#252;here Phase im R&#252;ckblick anders.</p><p>Heute wissen wir, welche Bilder funktionieren, welche Hooks Aufmerksamkeit erzeugen, welche Sounds Reichweite bringen und welche &#196;sthetiken gerade erfolgreich sind. Wir kennen Begriffe wie Engagement, Personal Branding, Content Strategy und Creator Economy. Selbst Menschen, die mit all dem beruflich nichts zu tun haben, bewegen sich in Plattformen, die nach diesen Prinzipien organisiert sind. Die Logik professioneller Sichtbarkeit ist dadurch aus einem Spezialwissen von Medienproduzenten zu einer allt&#228;glichen kulturellen Kompetenz geworden.</p><p>Damit ver&#228;ndert sich nicht nur, was wir ver&#246;ffentlichen. Es ver&#228;ndert sich, wie wir uns selbst wahrnehmen. Wer die Regeln digitaler Sichtbarkeit kennt, kann das eigene Verhalten kaum vollst&#228;ndig unabh&#228;ngig von ihnen betrachten. Wir wissen, wie ein Bild auf andere wirken k&#246;nnte, welche &#196;u&#223;erung missverstanden werden kann und welche Form der Selbstdarstellung zu bem&#252;ht erscheint. Wir haben gelernt, nicht nur andere Inhalte zu beurteilen, sondern uns selbst aus der Perspektive eines m&#246;glichen Publikums zu beobachten. <strong>Das Gef&#252;hl, dass wir die Plattform nutzen ist zu dem Gef&#252;hl geworden, dass uns die Plattform nutzt. </strong>Wir haben also begonnen, die Leichtigkeit beim Nutzen von sozialen Medien zu verlieren und begonnen, immer eine Strategie mitzudenken. </p><p>Vor diesem Hintergrund wird das &#8220;Millennial Cringe&#8221; so attraktiv. Die vermeintliche Peinlichkeit der fr&#252;hen sozialen Medien erscheint heute als Spur eines geringeren Grades dieser Selbstbeobachtung. Menschen konnten Dinge &#246;ffentlich m&#246;gen, ohne gleichzeitig demonstrieren zu m&#252;ssen, dass sie wussten, wie dieses M&#246;gen von au&#223;en aussehen k&#246;nnte. Sie konnten kitschig, enthusiastisch oder unbeholfen sein, ohne jede m&#246;gliche Reaktion bereits in die eigene Darstellung einzubauen.</p><h3>Sehnsucht nach Authentizit&#228;t</h3><p>Darin liegt der Zusammenhang zwischen dem <strong>Millennial Comeback</strong> und der gegenw&#228;rtigen <strong>Sehnsucht nach Unperfektheit</strong>. Unscharfe Fotos, Digitalkameras, analoge Fotografie, alte Handys, kleinere Online-Communities und weniger kuratierte digitale R&#228;ume wirken auf den ersten Blick wie unterschiedliche Trends. Tats&#228;chlich verbindet sie eine &#228;hnliche Bewegung: Sie schaffen Distanz zu einer digitalen &#214;ffentlichkeit, in der Sichtbarkeit immer st&#228;rker messbar, optimierbar und professionalisierbar geworden ist.</p><p>Deshalb werden ausgerechnet die Fehler der Vergangenheit wieder interessant. Schlechte Bildqualit&#228;t, Blitzlicht, unvorteilhafte Winkel, kitschige Filter und &#252;bertriebene Begeisterung erscheinen pl&#246;tzlich wie Spuren eines Lebens, das weniger vollst&#228;ndig f&#252;r ein Publikum organisiert war. Nat&#252;rlich kann auch die Idee der fr&#252;heren Authentizit&#228;t eine nachtr&#228;gliche Projektion sein. Aber es ist eben so, dass wir diese Bilder heute als Kontrast zu dem lesen, wohin sich die sozialen Medien entwickelt haben.</p><h3>Was Gen Z darin sieht</h3><p>Damit l&#228;sst sich auch verstehen, warum diese Nostalgie nicht auf Millennials beschr&#228;nkt bleibt. Eine j&#252;ngere Generation muss die fr&#252;hen 2010er nicht selbst vollst&#228;ndig erlebt haben, um sie als Gegenbild zur eigenen digitalen Gegenwart wahrzunehmen. Die digitalen Archive halten schlie&#223;lich die fr&#252;heren Bilder, Musik, Kleidung und Kommunikationsformen bereit. So kann eine Vergangenheit auch f&#252;r die Gen Z attraktiv werden, gerade weil sie anders aussieht als die Welt, in der sie selbst leben.</p><p>Der Begriff &#8220;Millennial Optimism&#8221; f&#252;hrt diese Entwicklung schlie&#223;lich noch eine Ebene weiter. Denn nun wird nicht mehr nur eine fr&#252;here Form des Internets romantisiert. Mit ihr wird eine <strong>bestimmte Vorstellung von Zukunft</strong> verbunden. Die fr&#252;hen 2010er erscheinen im nostalgischen R&#252;ckblick als eine Zeit, in der technologische Ver&#228;nderung st&#228;rker mit M&#246;glichkeiten als mit Verlusten verbunden werden konnte, in der soziale Medien noch als neue und offene R&#228;ume erschienen und nicht ausschlie&#223;lich als Systeme, deren gesellschaftliche Nebenwirkungen wir l&#228;ngst kennen.</p><p>Das Ph&#228;nomen des Millennial Comeback scheint daher mehr &#252;ber 2026 auszusagen, als &#252;ber 2013. Wenn wir eine vergangene Zeit heute als optimistisch beschreiben, formulieren wir damit zugleich eine Erfahrung unserer eigenen Gegenwart. Die Sehnsucht richtet sich nicht nur auf das, was damals war. Sie macht sichtbar, was wir heute als weniger selbstverst&#228;ndlich erleben und vielleicht sogar ganz vermissen: Unbefangenheit, Offenheit und eine Vorstellung von Zukunft, die noch nicht permanent mit den m&#246;glichen Verlusten des n&#228;chsten technologischen Wandels verbunden ist.</p><h3>Was Millennials darin sehen</h3><p>Dass Millennials selbst gerade besonders empf&#228;nglich f&#252;r diese Neubewertung sind, hat wiederum mit ihrer heutigen Lebensphase zu tun. Eine Generation, die ungew&#246;hnlich lange &#246;ffentlich als &#8220;die Jungen&#8221; behandelt wurde, ist inzwischen zwischen ungef&#228;hr drei&#223;ig und Mitte vierzig. Viele dieser Generation befinden sich mitten in einer Lebensphase, in der die eigene Jugend erstmals deutlich als Vergangenheit hervortritt. Anders als bei fr&#252;heren Generationen liegt diese Jugend jedoch weiterhin sichtbar neben ihrer Gegenwart. Zwischen dem heutigen Leben und dem eigenen Ich von 2012 liegen nicht nur Erinnerungen, sondern tausende digitale Spuren.</p><p>Damit erlebt die erste gro&#223;e Social-Media-Generation etwas Besonderes: <strong>Sie kann ihrer eigenen Jugend &#246;ffentlich beim &#228;lter werden zusehen.</strong> Gleichzeitig k&#246;nnen andere diese Vergangenheit betreten, ohne sie selbst erlebt zu haben. Pers&#246;nliche Erinnerung, kollektive Nostalgie und digitale Archive beginnen sich miteinander zu verbinden.</p><p>Und wenn ich so dar&#252;ber nachdenke, wird mir an diesem Punkt klar, dass das Millennial Comeback auch noch von etwas Gr&#246;&#223;erem erz&#228;hlt. Denn nicht nur Millennials sind &#228;lter geworden. Das Internet selbst ist es auch.</p><h3>Digitale Zuk&#252;nfte</h3><p>Zum ersten Mal besitzt die digitale Gesellschaft eine Vergangenheit, die deutlich genug von ihrer Gegenwart unterschieden werden kann. Wir k&#246;nnen inzwischen verschiedene historische Formen des Internets erkennen: das Internet der Blogs, der Facebook-Alben und Foren, das Internet von Tumblr und fr&#252;hem Instagram, das Internet der Influencer, das Internet von TikTok und der Creator Economy und inzwischen das Internet generativer KI. Was lange wie eine einzige fortlaufende technologische Entwicklung erschien, beginnt sich in Epochen zu gliedern.</p><p>Damit ver&#228;ndert sich auch unser Verh&#228;ltnis zum digitalen Fortschritt. Solange das Internet vor allem als Zukunft erschien, richtete sich der Blick auf das Neue: neue Plattformen, neue M&#246;glichkeiten, neue Formen der Kommunikation. Jetzt ist es alt genug, dass wir erstmals systematisch wahrnehmen k&#246;nnen, was auf diesem Weg verschwunden ist. Fortschritt wird dadurch nicht mehr ausschlie&#223;lich als Hinzugewinn sichtbar. <strong>Er produziert auch Verluste.</strong></p><p>Genau deshalb ist das Millennial Comeback mehr als ein Nostalgie-Trend. Die Skinny Jeans, Tumblr-Bilder und Instagram-Filter sind nur die sichtbaren &#220;berreste einer fr&#252;heren digitalen Lebensform. Ihre R&#252;ckkehr zeigt, dass wir begonnen haben, <strong>Unterschiede zwischen verschiedenen Versionen des digitalen Lebens</strong> wahrzunehmen und ihnen im R&#252;ckblick einen Wert zuzuschreiben.</p><p>Die entscheidende Frage lautet deshalb am Ende nicht, warum Millennials pl&#246;tzlich wieder cool sind. Sie lautet, was wir auf dem Weg vom fr&#252;hen &#8220;sozialen Internet&#8221; zur heutigen &#8220;digitalen &#214;ffentlichkeit&#8221; verloren haben, das uns erst jetzt auff&#228;llt. Vielleicht ist Nostalgie genau der Moment, in dem eine Gesellschaft solche Verluste erkennen kann. Solange eine neue Technologie vor uns liegt, sehen wir vor allem ihre M&#246;glichkeiten. Erst wenn sie selbst eine Geschichte entwickelt hat, k&#246;nnen wir erkennen, dass jede neue Form des Lebens zugleich andere Formen verschwinden l&#228;sst.</p><p>Interessant am Millennial Comeback ist, dass die digitale Gesellschaft gerade alt genug geworden ist, um ihre eigene Fr&#252;hgeschichte zu reflektieren. Tamagotchis, Diddl-Bl&#228;tter oder ICQ sind pl&#246;tzlich mehr als Kindheitserinnerungen. Sie werden zu kulturellen Markern einer ersten Generation, die <strong>zwischen analoger Kindheit und digitaler Jugend</strong> aufgewachsen ist und nun beginnt, diese Erfahrung gemeinsam zu deuten.</p><p><strong>Was vermisst ihr wirklich an dieser Zeit - die Dinge selbst oder das Lebensgef&#252;hl, das mit ihnen verbunden ist?</strong></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://images.unsplash.com/photo-1640519066824-9f76e650fc15?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wzMDAzMzh8MHwxfHNlYXJjaHwxfHx0YW1hZ290Y2hpfGVufDB8fHx8MTc4NjQ1MTEyNXww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1080" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" 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href="https://unsplash.com">Unsplash</a></figcaption></figure></div><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://laurafroehlich.substack.com/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Subscribe now&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="/__u/laurafroehlich.substack.com/subscribe"><span>Subscribe now</span></a></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://laurafroehlich.substack.com/p/millennial-comeback?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Share&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" 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href="/__u/laurafroehlich.substack.com/p/csd-2026-in-berlin?r=8sn7pg&amp;utm_campaign=post&amp;utm_medium=web"><span>Vertrauen als wichtigste Ressource einer offenen Gesellschaft</span></a><span> und der Text von </span><span class="mention-wrap" data-attrs="{&quot;name&quot;:&quot;Kay Puppa&quot;,&quot;id&quot;:475092237,&quot;type&quot;:&quot;user&quot;,&quot;url&quot;:null,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/40794385-79bf-4297-bb1d-15283ad58217_641x641.png&quot;,&quot;uuid&quot;:&quot;a4ce42c5-7423-4fa5-94dd-a6782bbc78f1&quot;}" data-component-name="MentionToDOM"></span> , der die Frage danach aufgreift, <a href="/__u/open.substack.com/pub/dasangebrocheneleben/p/und-dann-erreichen-sie-was-sie-wollten?r=8sn7pg&amp;utm_campaign=post&amp;utm_medium=web">was eine <span>offene Gesellschaft eigentlich zusammenh&#228;lt</span></a><span>, haben mich zu Gedanken gef&#252;hrt, die zun&#228;chst etwas abstrakt erscheinen. Ich habe &#252;ber Freiheit und Sicherheit an sich nachgedacht. Genauer gesagt dar&#252;ber, wie sich dieses Verh&#228;ltnis im Laufe der Zeit in unserer Gesellschaft ver&#228;ndert hat.</span></p><p><span>Denn wenn Vertrauen tats&#228;chlich eine Voraussetzung offener Gesellschaften ist, stellt sich auch die Frage: Was passiert mit diesem Vertrauen in einer Gesellschaft, die immer bessere M&#246;glichkeiten entwickelt, Unsicherheit zu reduzieren?</span></p><p><span>Je l&#228;nger ich dar&#252;ber nachgedacht habe, desto weniger &#252;berzeugend erschien mir der klassische Gegensatz zwischen Freiheit und Sicherheit. Vielleicht besteht die entscheidende Ver&#228;nderung unserer Zeit n&#228;mlich gar nicht darin, dass wir immer mehr Freiheit f&#252;r immer mehr Sicherheit aufgeben. M&#246;glicherweise ver&#228;ndert sich viel mehr, unter welchen Bedingungen Freiheit &#252;berhaupt m&#246;glich ist.</span></p><h3><span>Eine ambivalente Beziehung</span></h3><p><strong><span>Freiheit und Sicherheit geh&#246;ren zu den st&#228;rksten politischen Versprechen moderner Gesellschaften. </span></strong><span>Gleichzeitig geraten sie immer wieder miteinander in Spannung. Wer Sicherheit herstellen will, muss Gefahren erkennen, Risiken begrenzen und Verhalten beeinflussen. Wer Freiheit sch&#252;tzen will, muss individuelle Entscheidungen erm&#246;glichen, Eingriffe begrenzen und Ungewissheit zulassen.</span></p><p><span>Deshalb erscheint ihr Verh&#228;ltnis h&#228;ufig wie eine Abw&#228;gung: Mehr Sicherheit bedeutet weniger Freiheit, mehr Freiheit bedeutet mehr Risiko. Doch vermutlich f&#252;hrt genau diese Vorstellung in die falsche Richtung.</span></p><p><span>Denn die interessantere Entwicklung liegt nicht darin, dass moderne Gesellschaften sich irgendwann f&#252;r die eine oder die andere Seite entscheiden. Sie liegt darin, dass sich ver&#228;ndert, wie Sicherheit &#252;berhaupt hergestellt wird. Und mit jeder neuen Form von Sicherheit ver&#228;ndert sich auch die Freiheit.</span></p><h3><span>Sicherheit beginnt lange vor dem Eingriff</span></h3><p><span>Die moderne Vorstellung von Sicherheit unterscheidet sich von einem akuten Wunsch nach Schutz. Sie enth&#228;lt ein weitergehendes Versprechen: Gefahren sollen nicht nur abgewehrt werden, wenn sie eintreten. Sie sollen m&#246;glichst fr&#252;h erkannt, berechnet und verhindert werden.</span></p><p><span>Wir kennen diese Logik l&#228;ngst aus unserem Alltag. Wenn unser Smartphone meldet, dass sich jemand von einem unbekannten Ger&#228;t in einen Account einloggen will, ist gegebenenfalls noch gar nichts passiert. Niemand hat nachweislich Geld gestohlen. Niemand hat vielleicht &#252;berhaupt Zugriff auf unsere Daten erhalten. Das System reagiert auf eine M&#246;glichkeit, auf eine Abweichung, auf ein Muster, das als verd&#228;chtig gilt.</span></p><p><span>Ein Sicherheitsmechanismus setzt hier also ein, bevor der Schaden eingetreten ist. Damit beginnt Sicherheit nicht erst beim Eingriff. Sie beginnt schon davor: bei </span><strong><span>Sichtbarkeit</span></strong><span>.</span></p><p><span>Michel Foucault beschreibt mit dem Sicherheitsdispositiv eine politische Rationalit&#228;t, die sich seit dem 18. Jahrhundert zunehmend auf die Bev&#246;lkerung richtet. Geburten, Todesf&#228;lle, Lebenserwartung und andere gesellschaftliche Vorg&#228;nge werden statistisch erfasst. Gesellschaft erscheint dadurch zunehmend in Form von Verteilungen, Regelm&#228;&#223;igkeiten, Wahrscheinlichkeiten und Risiken.</span></p><p><span>Das Entscheidende daran ist nicht nur, dass mehr gewusst wird. Es ver&#228;ndert sich, was &#252;berhaupt steuerbar erscheint. Denn was beobachtet werden kann, kann verglichen werden. Was verglichen werden kann, kann bewertet werden. Und was bewertet werden kann, kann zum Gegenstand von Intervention werden.</span></p><h3><span>Was wir sehen k&#246;nnen, wollen wir auch steuern</span></h3><p><span>Das l&#228;sst sich an einem vollkommen allt&#228;glichen Beispiel beobachten. Viele moderne Autos zeigen inzwischen nicht nur an, wie schnell wir fahren. Sie messen Verbrauch, Abstand, M&#252;digkeit, Spurhaltung oder Bremsverhalten. Manche Versicherungen bieten Tarife an, bei denen Fahrverhalten &#252;ber Apps oder Sensoren erfasst wird.</span></p><p><span>Pl&#246;tzlich existiert damit etwas, das vorher kaum sichtbar war: nicht einfach nur die Frage, ob jemand einen Unfall verursacht hat, sondern wie riskant jemand f&#228;hrt, bevor ein Unfall geschieht. Durch die Messung entsteht eine neue Wirklichkeit. Fahrverhalten wird zu Daten. Daten werden zu Kategorien. Kategorien werden zu Risikoeinsch&#228;tzungen. Und diese Risikoeinsch&#228;tzungen k&#246;nnen wiederum reale Folgen haben.</span></p><p><strong><span>Deshalb beginnt Sicherheit mit Sichtbarkeit.</span></strong><span> Gefahren existieren nicht einfach als politisch oder gesellschaftlich relevante Tatsachen. Sie m&#252;ssen sichtbar gemacht, beschrieben und eingeordnet werden. Und bestimmte Deutungen m&#252;ssen sich so weit stabilisieren, dass daraus Handlungen folgen k&#246;nnen.</span></p><p><span>Eine Zahl ist zun&#228;chst nur eine Zahl, eine Kategorie zun&#228;chst nur eine Kategorie, eine Wahrscheinlichkeit zun&#228;chst nur eine Wahrscheinlichkeit. Gesellschaftlich wirksam werden sie erst, wenn sie als Ausdruck eines Problems verstanden werden. Aus einer Beobachtung wird ein Risiko, aus einem Risiko wird eine Erwartung und aus einer Erwartung kann schlie&#223;lich eine legitime Intervention entstehen.</span></p><p><span>Damit l&#228;sst sich Sicherheit auch anders betrachten: nicht nur als politische Ma&#223;nahme, sondern als </span><strong><span>Prozess gesellschaftlicher Wirklichkeitsbildung.</span></strong></p><h3><span>Vom Verbot zur Selbststeuerung</span></h3><p><span>Je leistungsf&#228;higer dieser Prozess wird, desto weiter verschiebt sich der Zeitpunkt, an dem Sicherheit ansetzt. Eine unmittelbare Form von Kontrolle reagiert auf etwas, das bereits geschehen ist: Ein Regelversto&#223; findet statt, darauf folgt eine Sanktion. Eine Gefahr tritt ein, darauf folgt eine Reaktion. </span><strong><span>Pr&#228;vention ver&#228;ndert diese zeitliche Logik.</span></strong><span> Sie setzt fr&#252;her an.</span></p><p><span>Auch diese Logik ist uns l&#228;ngst vertraut. Denken wir an die kleine Mitteilung auf einer Smartwatch: &#8220;Du hast dich heute weniger bewegt als gew&#246;hnlich.&#8221; Die Uhr verbietet uns nichts. Niemand zwingt uns aufzustehen. Es gibt keine Strafe, wenn wir den Abend auf dem Sofa verbringen. Und trotzdem ver&#228;ndert die Information m&#246;glicherweise unser Verhalten. Wir gehen noch einmal um den Block, nehmen die Treppe oder versuchen, den Kreis auf dem Display zu schlie&#223;en.</span></p><p><strong><span>Das ist eine andere Form gesellschaftlicher Steuerung.</span></strong><span> Sie sagt nicht: Du darfst das nicht. Sie sagt: Hier sind Informationen &#252;ber dein Verhalten. Entscheide selbst, was du daraus machst.</span></p><p><span>Pr&#228;vention versucht also, Verhalten so zu beeinflussen, dass ein unerw&#252;nschtes Ereignis gar nicht erst eintritt. Damit ver&#228;ndert sich auch die Rolle des Individuums. Menschen sollen nicht mehr ausschlie&#223;lich durch &#228;u&#223;ere Regeln gesteuert werden. Sie sollen Risiken verstehen, Informationen aufnehmen, Folgen absch&#228;tzen und ihr eigenes Verhalten entsprechend ausrichten.</span></p><p><span>Kontrolle verschwindet dadurch nicht. Aber sie verlagert sich teilweise vom &#228;u&#223;eren Eingriff zur Selbststeuerung.</span></p><h3><span>Freiheit bekommt eine neue Bedeutung</span></h3><p><span>Das klingt zun&#228;chst nach einem Gewinn an Freiheit. Und in vieler Hinsicht ist es das auch. Doch diese Freiheit besitzt eine neue Struktur. Denn mit ihr w&#228;chst auch die </span><strong><span>individuelle Verantwortung</span></strong><span>.</span></p><p><span>Das kennen wir etwa aus der Altersvorsorge. In dem Moment, in dem Menschen mehr M&#246;glichkeiten erhalten, selbst dar&#252;ber zu entscheiden, wie sie vorsorgen, entsteht gleichzeitig die Erwartung, dass sie sich informieren. Sie sollen Angebote vergleichen, Risiken verstehen und langfristig planen.</span></p><p><span>Die Freiheit, selbst zu entscheiden, bringt eine neue Verantwortlichkeit hervor. Wer selbst entscheiden darf, soll vern&#252;nftig entscheiden. Wer informiert ist, soll Informationen ber&#252;cksichtigen. Wer Risiken kennt, soll sie in sein Handeln einbeziehen. Freiheit bedeutet unter diesen Bedingungen nicht mehr nur, von Eingriffen verschont zu bleiben. Sie bedeutet zunehmend, sich selbst angemessen zu steuern.</span></p><p><span>Damit ver&#228;ndert sich etwas Grunds&#228;tzliches. Sicherheit und Freiheit stehen sich nicht l&#228;nger nur gegen&#252;ber. </span><strong><span>Freiheit wird selbst Teil der Sicherheitsordnung.</span></strong></p><h3><span>Selbststeuerung funktioniert nur mit Vertrauen</span></h3><p><span>Doch auch diese Form gesellschaftlicher Steuerung besitzt eine Voraussetzung: </span><strong><span>Vertrauen.</span></strong></p><p><span>Man kann das an einer der banalsten Situationen des Alltags erkennen. Wir fahren auf einer Landstra&#223;e mit hundert Kilometern pro Stunde an anderen Autos vorbei. Zwischen uns und einem entgegenkommenden Fahrzeug liegen manchmal kaum zwei Meter. Eine kleine Bewegung am Lenkrad w&#252;rde gen&#252;gen, um eine Katastrophe auszul&#246;sen. Und trotzdem fahren wir weiter. Nicht, weil wir wissen, was der andere Fahrer tun wird. Wir kennen ihn nicht einmal. Wir vertrauen darauf, dass er auf seiner Spur bleibt.</span></p><p><span>Eine Gesellschaft, die Menschen selbst entscheiden l&#228;sst, akzeptiert zwangsl&#228;ufig einen Bereich, den sie nicht vollst&#228;ndig kontrollieren kann. Sie wei&#223; nicht sicher, was Menschen mit ihrer Freiheit tun werden. Sie kann informieren, Erwartungen formulieren und bestimmte Verhaltensweisen f&#246;rdern. Aber am Ende bleibt eine L&#252;cke: Menschen k&#246;nnten anders handeln als erwartet, wenn sie wollten.</span></p><p><span>Genau diese L&#252;cke wird durch Vertrauen &#252;berbr&#252;ckt. Vertrauen bedeutet nicht, dass wir alles &#252;ber andere wissen. Im Gegenteil: Vertrauen wird erst dort notwendig, wo das Wissen endet. Wer vollst&#228;ndig kontrollieren kann, muss nicht vertrauen. Wer vertraut, akzeptiert, dass ein Teil des zuk&#252;nftigen Verhaltens anderer offenbleibt.</span></p><p><span>Vielleicht ist Vertrauen deshalb eine der unscheinbarsten Voraussetzungen einer freien Gesellschaft. </span><strong><span>Es macht Unsicherheit gesellschaftlich tragbar.</span></strong></p><h3><span>Was passiert, wenn wir immer weniger vertrauen m&#252;ssen?</span></h3><p><span>Genau an diesem Punkt scheint sich gegenw&#228;rtig etwas zu ver&#228;ndern. Denn moderne Gesellschaften besitzen immer bessere M&#246;glichkeiten, jene Unsicherheit zu verkleinern, die fr&#252;her hingenommen werden musste.</span></p><p><span>Wir erleben das beispielsweise beim Kauf eines gebrauchten Gegenstands im Internet. Fr&#252;her musste man dem fremden Verk&#228;ufer weitgehend glauben. Heute sehen wir Bewertungen, wie lange ein Account existiert und fr&#252;here Verk&#228;ufe. Wir nutzen K&#228;uferschutz, k&#246;nnen Zahlungen &#252;ber Plattformen abwickeln und manchmal &#252;bernimmt ein algorithmisches System sogar einen Teil der Entscheidung dar&#252;ber, wem wir vertrauen. Das ist bequem. Und es reduziert reale Risiken. Aber es zeigt auch eine gr&#246;&#223;ere Ver&#228;nderung:</span></p><p><span>Immer mehr gesellschaftliche Vorg&#228;nge k&#246;nnen </span><strong><span>sichtbar</span></strong><span> gemacht werden. Immer mehr Informationen k&#246;nnen miteinander </span><strong><span>verbunden</span></strong><span> werden. Immer mehr Zust&#228;nde k&#246;nnen </span><strong><span>kategorisiert</span></strong><span> werden. Immer mehr m&#246;gliche Entwicklungen k&#246;nnen als </span><strong><span>Wahrscheinlichkeiten</span></strong><span> erscheinen. </span><strong><span>Sicherheit wird dadurch zunehmend datenf&#246;rmig.</span></strong></p><p><span>Das bedeutet nicht einfach, dass Gesellschaften mehr &#252;ber sich wissen. Es ver&#228;ndert die Bedingungen, unter denen Entscheidungen getroffen werden. Wo Vertrauen notwendig war, entstehen neue M&#246;glichkeiten der &#220;berpr&#252;fung.</span></p><h3><span>Freiheit mit Bedingungen</span></h3><p><span>Damit erscheint eine neue Form gesellschaftlicher Ordnung. Sie arbeitet nicht ausschlie&#223;lich mit Verboten. Und sie verl&#228;sst sich auch nicht ausschlie&#223;lich auf freiwillige Selbststeuerung. Sie organisiert M&#246;glichkeiten zunehmend &#252;ber Bedingungen.</span></p><p><span>Wer schon einmal versucht hat, einen neuen Mobilfunkvertrag abzuschlie&#223;en, kennt diese Logik. Grunds&#228;tzlich darf jeder Kunde werden. Aber m&#246;glicherweise erst nach einer Bonit&#228;tspr&#252;fung. Die Antwort lautet nicht: Nein, du darfst keinen Vertrag abschlie&#223;en. Sie lautet: Nat&#252;rlich kannst du einen Vertrag abschlie&#223;en &#8211; sofern bestimmte Voraussetzungen erf&#252;llt sind.</span></p><p><span>Das ist ein entscheidender Unterschied. Ein Verbot sagt Nein. Eine auf Voraussetzungen beruhende Ordnung sagt: Ja &#8211; sofern bestimmte Bedingungen erf&#252;llt sind. Gerade deshalb wirkt sie h&#228;ufig weniger wie Kontrolle. Denn die M&#246;glichkeit bleibt grunds&#228;tzlich ja bestehen. Sie ist nur nicht mehr unbedingt voraussetzungslos verf&#252;gbar. </span><strong><span>Freiheit wird somit konditional.</span></strong></p><h3><span>Zwischen erlaubt und verboten entsteht ein neuer Raum</span></h3><p><span>Darin liegt eine entscheidende Ver&#228;nderung unserer Gegenwart: Wir sind daran gew&#246;hnt, Freiheit vor allem als Gegensatz zum Verbot zu denken. Entweder etwas ist erlaubt oder es ist verboten. Entweder eine Institution greift ein oder sie l&#228;sst uns in Ruhe. Doch diese Unterscheidung erfasst immer weniger vollst&#228;ndig, wie gesellschaftliche Ordnung heute funktioniert.</span></p><p><span>Wer heute eine Wohnung sucht, erlebt das sehr konkret. Es gibt kein Gesetz, das einer bestimmten Person grunds&#228;tzlich verbietet, diese Wohnung zu mieten. Und trotzdem muss sie m&#246;glicherweise Einkommensnachweise vorlegen, einen Arbeitsvertrag oder fr&#252;here Mietnachweise. Die Wohnung wird bestimmten Personen damit nicht explizit verwehrt. Dennoch passiert das implizit &#8211; denn der Zugang ist an Lesbarkeit gebunden.</span></p><p><span>Zwischen Erlaubnis und Verbot entsteht so ein immer gr&#246;&#223;erer Raum. Ein Raum der Voraussetzungen, der Nachweise, der Kategorien, der Wahrscheinlichkeiten und der Zugangsbedingungen. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr nur: Darf ich etwas? Sondern: Unter welchen Bedingungen darf ich es? Was muss &#252;ber mich bekannt sein? Welcher Kategorie werde ich zugeordnet? Welche Informationen muss ich bereitstellen? Welche Voraussetzungen muss ich erf&#252;llen?</span></p><h3><span>Freiheit setzt zunehmend voraus, dass wir lesbar sind</span></h3><p><span>Und damit landen wir wieder bei der zunehmenden gesellschaftlichen Bedeutung von </span><strong><span>Sichtbarkeit</span></strong><span>.</span></p><p><span>Man kann das schon an einer kleinen Reise beobachten. Am Flughafen reicht es nicht, dass wir grunds&#228;tzlich das Recht besitzen, das Land zu verlassen oder einen Flug zu nehmen. Wir m&#252;ssen einen g&#252;ltigen Pass besitzen. Unser Name muss zur Buchung passen. Beim Sicherheitscheck werden Gegenst&#228;nde sichtbar gemacht. Beim Boarding wird erneut kontrolliert, ob Person, Dokument und Berechtigung zusammenpassen. Wir erleben den Vorgang meistens nicht als Verlust unserer Freiheit. Wir reisen schlie&#223;lich. Aber unsere Bewegungsfreiheit wird durch eine Infrastruktur erm&#246;glicht, die uns gleichzeitig identifizierbar macht.</span></p><p><span>Sichtbarkeit war immer eine Voraussetzung moderner Sicherheit. Doch je st&#228;rker gesellschaftliche Teilhabe &#252;ber Informationen organisiert werden kann, desto st&#228;rker kann </span><strong><span>Sichtbarkeit selbst zu einer Voraussetzung von Freiheit</span></strong><span> werden.</span></p><h3><span>Was m&#246;glich ist, wird irgendwann erwartet</span></h3><p><span>Darin liegt ein bemerkenswertes Paradox. Je leistungsf&#228;higer moderne Gesellschaften darin werden, Risiken zu erkennen und zu reduzieren, desto st&#228;rker w&#228;chst die Erwartung, diese M&#246;glichkeiten auch zu nutzen.</span></p><p><span>Ein einfaches Beispiel ist die Navigation. Wenn man vor zwanzig Jahren auf dem Weg zu einer Verabredung im Stau stand, war das Pech. Heute zeigt uns das Smartphone vor der Abfahrt die Verkehrslage. Es kennt alternative Routen und berechnet unsere Ankunftszeit. Pl&#246;tzlich ver&#228;ndert sich unsere Erwartung. Wer trotz Navigation eine Stunde zu sp&#228;t kommt, muss irgendwann erkl&#228;ren, wie das bei all den M&#246;glichkeiten der Berechnung und Planbarkeit passieren konnte.</span></p><p><strong><span>Aus einer technischen M&#246;glichkeit entsteht beinahe unmerklich eine Erwartung vern&#252;nftigen Verhaltens.</span></strong></p><p><span>Dasselbe Prinzip l&#228;sst sich auf Sicherheit &#252;bertragen. Wenn eine Gefahr erkannt werden kann, stellt sich irgendwann die Frage, warum sie nicht erkannt wurde. Wenn ein Risiko berechnet werden kann, warum wurde es nicht ber&#252;cksichtigt? Wenn ein unerw&#252;nschtes Ereignis vorhersehbar erscheint, warum wurde es nicht verhindert?</span></p><p><span>Technischer und wissenschaftlicher Fortschritt ver&#228;ndert deshalb nicht nur unsere M&#246;glichkeiten. Er ver&#228;ndert vor allem auch unsere Erwartungen. Was verhindert werden kann, erscheint zunehmend als etwas, das verhindert werden sollte. Und genau dadurch verschiebt sich die gesellschaftliche Grenze dessen, was als akzeptables Risiko gilt.</span></p><h3><span>Unertr&#228;glichkeit von Unsicherheit nimmt zu</span></h3><p><span>Je mehr Unsicherheit wir reduzieren k&#246;nnen, desto weniger selbstverst&#228;ndlich erscheint uns die verbleibende Unsicherheit.</span></p><p><span>Auch das l&#228;sst sich im Kleinen beobachten. Wenn ein Zug ohne digitale Anzeige zehn Minuten zu sp&#228;t kommt, &#228;rgern wir uns vielleicht. Wenn die App dagegen seit einer halben Stunde minutengenau behauptet, der Zug komme in zwei Minuten, erleben wir dieselbe Versp&#228;tung anders.</span></p><p><span>Wir besitzen mehr Informationen. Und gerade deshalb erscheint die verbleibende Unsicherheit pl&#246;tzlich st&#246;render. Was fr&#252;her als unvorhersehbar galt, kann sp&#228;ter wie ein Versagen wirken. Was fr&#252;her hingenommen werden musste, erscheint nun vermeidbar. Und was vermeidbar erscheint, erzeugt den Druck, tats&#228;chlich vermieden zu werden. So entsteht aus technischem K&#246;nnen langsam eine gesellschaftliche Erwartung.</span></p><h3><span>Formen der Freiheit</span></h3><p><span>Damit ver&#228;ndert sich auch die Ausgangsfrage.</span></p><p><span>Freiheit und Sicherheit lassen sich nicht einfach wie zwei Mengen gegeneinander aufrechnen. Die Entwicklung moderner Gesellschaften zeigt vielmehr, dass unterschiedliche Sicherheitsordnungen unterschiedliche Formen von Freiheit hervorbringen.</span></p><p><span>Wir k&#246;nnen diese Unterschiede sogar im Alltag nebeneinander beobachten. Die rote Ampel steht f&#252;r eine klassische Regel. Sie sagt uns unmittelbar, was wir tun d&#252;rfen und was nicht. Die Fitness-App steht f&#252;r Selbststeuerung. Sie gibt uns Informationen und erwartet, dass wir daraus selbst vern&#252;nftiges Verhalten ableiten. Die Bonit&#228;tspr&#252;fung steht f&#252;r eine dritte Logik. Sie verbietet nichts grunds&#228;tzlich, entscheidet aber dar&#252;ber, unter welchen Bedingungen eine M&#246;glichkeit zug&#228;nglich wird.</span></p><p><strong><span>Drei Formen von Ordnung. Drei Formen von Freiheit.</span></strong></p><p><span>Wo Sicherheit vor allem durch unmittelbare Eingriffe hergestellt wird, erscheint Freiheit als Schutz vor diesen Eingriffen. Wo Sicherheit auf Selbststeuerung beruht, wird Freiheit mit Verantwortung verbunden. Und wo Sicherheit zunehmend durch Sichtbarkeit, Wahrscheinlichkeiten und Voraussetzungen organisiert wird, kann Freiheit davon abh&#228;ngig werden, dass Menschen klassifizierbar, &#252;berpr&#252;fbar und gesellschaftlich lesbar sind. Diese Formen ersetzen einander nicht. Sie &#252;berlagern sich. Regeln bleiben bestehen, Selbstverantwortung bleibt bestehen, datenbasierte Beobachtung kommt hinzu.</span></p><p><strong><span>Das moderne Individuum soll deshalb gleichzeitig Regeln befolgen, eigenverantwortlich handeln und zunehmend in einer Ordnung navigieren, die M&#246;glichkeiten anhand verf&#252;gbarer Informationen organisiert.</span></strong></p><p><span>Freiheit wird dadurch nicht unbedingt kleiner &#8211; aber sie wird voraussetzungsvoller.</span></p><h3><span>Je mehr wir wissen, desto weniger m&#252;ssen wir vertrauen</span></h3><p><span>Vielleicht erkl&#228;rt das auch, warum die Frage nach Vertrauen heute eine neue Bedeutung erh&#228;lt. Wenn ich heute in einer fremden Stadt ein Taxi bestelle, muss ich dem Fahrer nicht mehr auf dieselbe Weise vertrauen wie fr&#252;her. Die App kennt seinen Namen. Ich sehe sein Kennzeichen. Andere Fahrg&#228;ste haben ihn bewertet. Die Strecke wird aufgezeichnet. Der Preis ist vorher ungef&#228;hr bekannt. Ich kann meinen Standort teilen. All diese Informationen machen die Fahrt sicherer. Sie ersetzen einen Teil des Vertrauens durch Wissen.</span></p><p><span>Auf den ersten Blick scheint mehr Wissen Vertrauen also &#252;berfl&#252;ssiger zu machen. Wenn wir mehr &#252;berpr&#252;fen k&#246;nnen, m&#252;ssen wir weniger glauben. Wenn wir mehr messen k&#246;nnen, m&#252;ssen wir weniger vermuten. Wenn wir Risiken besser berechnen k&#246;nnen, m&#252;ssen wir weniger Unsicherheit akzeptieren.</span></p><p><span>Doch vielleicht gilt auch das Gegenteil. Je st&#228;rker eine Gesellschaft versucht, Unsicherheit technisch zu reduzieren, desto sichtbarer wird, dass sie niemals vollst&#228;ndig verschwinden kann. Keine Information beseitigt jedes Nichtwissen. Keine Berechnung macht Zukunft vollst&#228;ndig vorhersehbar. Keine Klassifikation kann menschliches Verhalten vollst&#228;ndig erfassen. Denn Menschen k&#246;nnen anders handeln, als andere es erwarten.</span></p><h3><span>Freiheit beginnt dort, wo Berechenbarkeit endet</span></h3><p><span>Das erleben wir wahrscheinlich am deutlichsten in unseren engsten Beziehungen. Wir k&#246;nnen unsere Partner fragen, wo sie sind. Wir k&#246;nnen den Standort teilen, sehen, wann eine Nachricht gelesen wurde und Kalender synchronisieren. Wir k&#246;nnten theoretisch immer mehr Unsicherheit aus einer Beziehung entfernen. Und trotzdem w&#252;rde vollst&#228;ndige Information niemals dasselbe sein wie Vertrauen.</span></p><p><span>Denn wir wollen nicht nur wissen, was ein anderer Mensch tut. Wir wollen darauf vertrauen k&#246;nnen, dass er auch anders handeln k&#246;nnte und sich trotzdem f&#252;r eine bestimmte Handlung entscheidet.</span></p><p><span>Genau darin liegt eine grundlegende Eigenschaft von Freiheit. Menschen k&#246;nnen anders handeln, als andere es erwarten. Sie k&#246;nnen Risiken eingehen, gesellschaftlichen Erwartungen widersprechen und Entscheidungen treffen, die andere f&#252;r unvern&#252;nftig halten. Freiheit enth&#228;lt deshalb immer ein Element von Unberechenbarkeit.</span></p><p><span>Eine vollst&#228;ndig sichere Gesellschaft w&#228;re nur vorstellbar, wenn auch menschliches Verhalten vollst&#228;ndig vorhersehbar w&#228;re. Doch eine solche Gesellschaft h&#228;tte m&#246;glicherweise gerade jene Eigenschaft verloren, die sie sch&#252;tzen wollte.</span></p><h3><span>Unsicherheit als Voraussetzung von Freiheit</span></h3><p><span>Vielleicht f&#252;hrt uns die klassische Frage nach Freiheit und Sicherheit deshalb in die Irre. Sie fragt meistens: Wie viel Freiheit m&#252;ssen wir aufgeben, um sicher zu sein? Aber vermutlich liegt der tiefere Konflikt an einer anderen Stelle. Nicht zwischen Freiheit und Sicherheit, sondern zwischen Sicherheit und Unsicherheit.</span></p><p><span>Moderne Gesellschaften haben enorme F&#228;higkeiten entwickelt, Unsicherheit sichtbar zu machen, zu berechnen und zu reduzieren. Wir erleben das jeden Tag. Die Wetter-App sagt uns, wann es regnen wird. Die Navigation sagt uns, wann wir ankommen. Bewertungen sagen uns, welchem Hotel wir vertrauen k&#246;nnen. Kreditinformationen helfen Institutionen einzusch&#228;tzen, wem sie Geld leihen. Gesundheitsdaten helfen uns, unser Verhalten zu beobachten. Algorithmen versuchen vorherzusagen, was uns interessieren k&#246;nnte.</span></p><p><span>Jedes dieser Systeme reduziert einen kleinen Bereich des Unbekannten. Und meistens sind wir froh dar&#252;ber. Doch mit jeder neuen M&#246;glichkeit w&#228;chst die Versuchung, auch den verbleibenden Raum des Ungewissen kleiner zu machen. Genau dieser Raum ist aber nicht nur ein Problem. Er ist auch die Bedingung daf&#252;r, dass Menschen tats&#228;chlich anders handeln k&#246;nnen. </span><strong><span>Vertrauen beseitigt diesen Raum nicht. Es macht ihn bewohnbar.</span></strong></p><p><span>Vielleicht entscheidet sich die Zukunft freier Gesellschaften deshalb weniger daran, wie viele Regeln sie besitzen, sondern daran, wie sie mit dem Teil menschlichen Lebens umgehen, der sich weder vollst&#228;ndig berechnen noch kontrollieren l&#228;sst. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr, wie viel Freiheit vertr&#228;gt unsere Sicherheit? Sondern:</span></p><p><strong><span>Wie viel Unsicherheit sind wir bereit auszuhalten, damit wir wirklich frei bleiben k&#246;nnen?</span></strong></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://images.unsplash.com/photo-1579377169202-22a2c11887ef?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wzMDAzMzh8MHwxfHNlYXJjaHw5Mnx8ZnJlZWRvbXxlbnwwfHx8fDE3ODYwNTY1OTZ8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1080" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://images.unsplash.com/photo-1579377169202-22a2c11887ef?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wzMDAzMzh8MHwxfHNlYXJjaHw5Mnx8ZnJlZWRvbXxlbnwwfHx8fDE3ODYwNTY1OTZ8MA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1080 424w, 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Sondern Vertrauen.]]></description><link>https://laurafroehlich.substack.com/p/csd-2026-in-berlin</link><guid isPermaLink="false">https://laurafroehlich.substack.com/p/csd-2026-in-berlin</guid><dc:creator><![CDATA[Laura Fröhlich]]></dc:creator><pubDate>Sun, 26 Jul 2026 15:34:30 GMT</pubDate><enclosure url="https://images.unsplash.com/photo-1542358935821-e4e9f3f3c15d?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wzMDAzMzh8MHwxfHNlYXJjaHwxMDJ8fHJhaW5ib3d8ZW58MHx8fHwxNzg1MDc5MTExfDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1080" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<h3>Was ist passiert? </h3><p>Die Medien berichten es so: Nach aktuellem Stand ereignete sich am Abend des <strong>25. Juli 2026</strong> am Rande des Berliner Christopher Street Day (CSD) ein schwerer mutma&#223;licher Anschlag. Dabei fuhr ein Fahrzeug im Bereich des Tiergartens in eine Menschenmenge.</p><p>Wenn sich so etwas ereignet, beginnt fast immer dieselbe Debatte: Wie konnte das passieren? H&#228;tte die Tat verhindert werden k&#246;nnen? Brauchen wir mehr Polizei, mehr Kontrollen, mehr &#220;berwachung?</p><h3>Vertrauen als unsichtbare Voraussetzung</h3><p>Diese Fragen sind verst&#228;ndlich und sie sind auch wichtig. Aber sie bleiben auf das unmittelbare Ereignis beschr&#228;nkt. Was wir aber nicht aus dem Blick verlieren d&#252;rfen: Offene Gesellschaften beruhen auf einer Voraussetzung, &#252;ber die wir kaum nachdenken. <strong>Einem unsichtbaren Vertrauensvorschuss.</strong></p><p>Viele von uns betreten &#246;ffentliche R&#228;ume immerhin noch, ohne st&#228;ndig mit Gewalt zu rechnen. Wir gehen auf Demonstrationen, Konzerte oder Stadtfeste, weil wir davon ausgehen, dass auch alle anderen gekommen sind, um friedlich daran teilzunehmen.</p><p>Dieses Vertrauen ist keine Selbstverst&#228;ndlichkeit. <strong>Es ist eine gesellschaftliche Leistung. </strong>Diese Leistung scheinen wir aber erst zu erkennen, wenn sie ersch&#252;ttert wird.</p><p>Gerade moderne Gesellschaften sind auf dieses Vertrauen angewiesen. Je gr&#246;&#223;er, anonymer und offener sie werden, desto weniger k&#246;nnen sie auf pers&#246;nliche Bekanntschaft oder unmittelbare Kontrolle bauen. Stattdessen funktionieren sie, weil Menschen einander im Alltag einen Vertrauensvorschuss geben. Wer in die U-Bahn steigt, ein Konzert besucht oder an einer Demonstration teilnimmt, handelt auf der Grundlage dieser stillen Erwartung.</p><h3>Warum es alle betrifft</h3><p>Deshalb liegt die tiefgreifende Wirkung eines solchen Ereignisses nicht ausschlie&#223;lich in der unmittelbaren Gewalt. Sie liegt vor allem darin, dass ein grundlegendes Vertrauen besch&#228;digt wird. Sie richtet sich nicht allein gegen bestimmte Menschen. Sondern  gegen die kollektive Erwartung, dass &#214;ffentlichkeit ein sicherer Raum gemeinsamer Freiheit ist.</p><p>Unser Verst&#228;ndnis von Sicherheit hat sich im Laufe der Moderne ver&#228;ndert. Lange bedeutete Sicherheit vor allem, auf konkrete Gefahren reagieren zu k&#246;nnen. Heute erwarten wir zunehmend, Risiken schon im Voraus zu erkennen und m&#246;glichst vollst&#228;ndig zu verhindern. Sicherheit richtet sich immer st&#228;rker auf die Zukunft. Sie soll nicht mehr nur akut sch&#252;tzen, sondern Unsicherheit m&#246;glichst im Vorhinein ausschlie&#223;en.</p><p>Das klingt erstmal gut - und Sicherheit kann Vertrauen auch st&#252;tzen. Sie kann es aber nicht hervorbringen. Denn Sicherheit kann auch durch repressive Ma&#223;nahmen erzeugt werden. Vertrauen entsteht aber nicht durch mehr Kontrollen, sondern durch die wiederholte Erfahrung, dass eine offene Gesellschaft im Alltag tats&#228;chlich funktioniert.</p><p>Nach solchen Ereignissen richtet sich der Blick verst&#228;ndlicherweise zun&#228;chst auf konkrete Sicherheitskonzepte. Vielleicht ist genau dann aber der Moment, einen Schritt zur&#252;ckzutreten und die gr&#246;&#223;ere Frage zu stellen: </p><p><strong>Was h&#228;lt eine offene Gesellschaft eigentlich zusammen?</strong></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://images.unsplash.com/photo-1542358935821-e4e9f3f3c15d?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wzMDAzMzh8MHwxfHNlYXJjaHwxMDJ8fHJhaW5ib3d8ZW58MHx8fHwxNzg1MDc5MTExfDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1080" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://images.unsplash.com/photo-1542358935821-e4e9f3f3c15d?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wzMDAzMzh8MHwxfHNlYXJjaHwxMDJ8fHJhaW5ib3d8ZW58MHx8fHwxNzg1MDc5MTExfDA&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=1080 424w, 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data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://laurafroehlich.substack.com/p/csd-2026-in-berlin?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Share&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="/__u/laurafroehlich.substack.com/p/csd-2026-in-berlin?utm_source=substack&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=share&amp;action=share"><span>Share</span></a></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Was ist da los?]]></title><description><![CDATA[Warum mich die Dinge interessieren, &#252;ber die pl&#246;tzlich alle sprechen]]></description><link>https://laurafroehlich.substack.com/p/was-ist-da-los</link><guid isPermaLink="false">https://laurafroehlich.substack.com/p/was-ist-da-los</guid><dc:creator><![CDATA[Laura Fröhlich]]></dc:creator><pubDate>Sat, 25 Jul 2026 15:41:05 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!UZbv!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fda2ccfcc-12ab-44d8-93ba-1e65fc3bd1d6_1080x1080.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://laurafroehlich.substack.com/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Subscribe now&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="/__u/laurafroehlich.substack.com/subscribe"><span>Subscribe now</span></a></p><h2><span>Es passiert immer wieder.</span></h2><p><span>Gestern hast du von einem Thema noch nie geh&#246;rt. Und pl&#246;tzlich ist es &#252;berall. In den Nachrichten. Auf TikTok. Im Freundeskreis. In Podcasts. Manchmal dauert es nur wenige Tage, bis ein neues Wort, ein neuer Trend oder eine neue Debatte scheinbar jeder kennt. Viele dieser Ph&#228;nomene verschwinden genauso schnell wieder. Andere bleiben. Mich fasziniert dabei eine ganz bestimmte Frage.</span></p><p><strong><span>Was ist da los? Und warum passiert das genau jetzt?</span></strong></p><h3>Was &#252;bersehen wir?</h3><p><span>In den letzten Jahren habe ich an meiner Dissertation gearbeitet. Darin ging es um die Frage, wie sich gesellschaftliches Wissen im Laufe der Geschichte ver&#228;ndert. Parallel dazu arbeite ich als Journalistin. Jeden Tag neue Nachrichten. Neue Debatten. Neue Aufreger. Mit der Zeit ist mir etwas aufgefallen. Die spannendsten Geschichten beginnen oft nicht mit einer Nachricht. Sie beginnen mit einem gesellschaftlichen Ph&#228;nomen. Mit etwas, &#252;ber das pl&#246;tzlich alle sprechen.</span></p><p><span>Fr&#252;her habe ich gedacht, dass solche Ph&#228;nomene einfach kommen und gehen. Jetzt glaube ich, gesellschaftliche Ph&#228;nomene sind selten Zuf&#228;lle. Sie machen Ver&#228;nderungen sichtbar, die oft schon viel l&#228;nger stattfinden. Deshalb interessieren mich nicht nur die Ph&#228;nomene selbst. Mich interessiert, was sie &#252;ber unsere Zeit erz&#228;hlen.</span></p><h3>Was steckt dahinter?</h3><p><span>Wenn pl&#246;tzlich alle &#252;ber Longevity sprechen, geht es vielleicht gar nicht nur um Gesundheit. Wenn KI-Therapeuten immer beliebter werden, geht es vielleicht nicht nur um K&#252;nstliche Intelligenz. Wenn Labubu pl&#246;tzlich &#252;berall auftaucht, erz&#228;hlt das vielleicht mehr &#252;ber unsere Gesellschaft als &#252;ber ein Stofftier. Und wenn wir &#252;ber Journalismus streiten, diskutieren wir vielleicht eigentlich dar&#252;ber, wem wir heute noch vertrauen. Genau dort beginnt f&#252;r mich die eigentliche Geschichte.</span></p><p><span>Ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der sich viele gro&#223;e Ver&#228;nderungen zuerst in kleinen Beobachtungen zeigen. In den Dingen, die pl&#246;tzlich unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ein virales Video. Ein neuer Begriff. Ein Alltagsgegenstand. Eine Debatte. Ein Trend. Sie alle k&#246;nnen Hinweise darauf sein, dass sich gerade etwas Grunds&#228;tzlicheres ver&#228;ndert.</span></p><p><span>Deshalb werde ich hier nicht einfach aktuelle Themen kommentieren. Ich m&#246;chte verstehen, welche gr&#246;&#223;eren Entwicklungen hinter ihnen sichtbar werden. Mich interessiert weniger die Schlagzeile als das Muster dahinter. Weniger das Ereignis als die Ver&#228;nderung, die dadurch erkennbar wird. Ich schreibe nicht &#252;ber Trends.</span></p><p><strong><span>Ich schreibe &#252;ber die Ver&#228;nderungen, die durch Trends sichtbar werden.</span></strong></p><h3>Bist du dabei?</h3><p><span>Wenn du also in Zukunft einen Essay von mir liest, geht es wahrscheinlich nie nur um das Thema, das im Titel steht. Es geht um die gr&#246;&#223;ere Frage dahinter. Darum, was ein gesellschaftliches Ph&#228;nomen &#252;ber unsere Gegenwart verr&#228;t.</span></p><p><span>Ich freue mich, wenn du mich auf dieser Suche begleitest.</span></p><p><strong>Denn manchmal erz&#228;hlen uns die Dinge, &#252;ber die pl&#246;tzlich alle sprechen, mehr &#252;ber unsere Zeit als wir auf den ersten Blick sehen.</strong></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="/__u/substackcdn.com/image/fetch/$s_!UZbv!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fda2ccfcc-12ab-44d8-93ba-1e65fc3bd1d6_1080x1080.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="/__u/substackcdn.com/image/fetch/$s_!UZbv!, /__u/laurafroehlich.substack.com/w_424, /__u/laurafroehlich.substack.com/c_limit, /__u/laurafroehlich.substack.com/f_webp, /__u/laurafroehlich.substack.com/q_auto:good, 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